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Kleiner Stich mit Folgen

Vorbeugung

Schutzhandschuhe
Weitere Informationen zu Schutzhandschuhen
 

Seit über 100 Jahren werden im OP Gummihandschuhe getragen. Mittlerweile sind sie eine Selbstverständlichkeit geworden. Medizinische Handschuhe (HS) bieten einen sehr guten Schutz vor Blutkontakt, solange sie intakt bleiben. Obwohl die Qualität der HS in den letzten Jahrzehnten stets zugenommen hat, ist die Gefahr immer größer geworden, dass HS bei Gebrauch perforiert werden, denn die OP-Eingriffe werden immer komplizierter und von längerer Dauer.

Durch die Anwendung spitzer und scharfer Instrumente kommt es sehr häufig zu HS-Perforationen und zu Blutkontakten, die fast immer von einer Hautverletzung an der Hand des Benutzers begleitet werden. So kann man das Infektionsrisiko nach einer HS-Perforation mit dem nach einer Nadelstichverletzung (NSV) vergleichen.

Es sind mittlerweile weltweit zahlreiche Studien zu Handschuhperforationsraten durchgeführt worden. Dabei wurden chirurgische Handschuhe nach Gebrauch (vorwiegend) mithilfe der Wasserhalteprüfung (Bild 1) oder (seltener) auf der Basis anderer Messmethoden nach Perforationen untersucht.

Daraus konnten die folgenden Schlüsse abgeleitet werden:

  1. Die Handschuhperforationsrate ist von der Art des OP-Eingriffs abhängig: Länger andauernde Eingriffe, die eines größeren Kraftaufwands bedürfen und an Knochen oder in der Tiefe durchgeführt werden, führen häufiger zu Handschuhverletzungen mit Perforationsraten von bis zu 70 %. Eine etwas niedrigere Rate an Perforationen findet man bei laparoskopischen und endoskopischen Eingriffen mit etwa 9 %. Da Handschuhe logischerweise nur paarweise getragen werden, ist die Anzahl daraus entstehender Blutkontakte pro OP-Eingriff doppelt so hoch. Die Gefährdung kann noch höher eingeschätzt werden, da auf dem Tagesprogramm i. d. R. mehr als eine Operation steht.
  2. Perforationen werden gehäuft am Zeigefinger und dem Mittelfinger der nicht dominanten (nicht Instrument führenden) Hand gefunden.
  3. Der leitende Operateur und insbesondere das Assistenzpersonal haben die höchsten Verletzungsrisiken. In einer an der Universität Wuppertal durchgeführten Studie konnte bei OP-Schwestern/-Pflegern, die bei verschiedenen herzchirurgischen Eingriffen assistiert hatten, eine Handschuhperforationsrate von 34,8 % gefunden werden. Die Perforationsrate an den Handschuhen des leitenden Operateurs betrug in dieser Studie 26,2 %. Mittels der begleitenden Videoanalyse konnten besonders HS-verletzungsträchtige Arbeitsschritte (z. B. „Anwachsen“ vom Sternum oder Perikardpräparation mittels Elektrokauter) erkannt werden. (Siehe z. B. N. Kralj, A. Wittmann, F. Hofmann: Optimierter Infektionsschutz in der Chirurgie durch Doppelhandschuhsysteme, Arbeitsmed., Sozialmed., Umweltmed. 39, 4, 2004: 472-476)
  4. Handschuhperforationen werden „in der Hitze des Gefechts” vom Benutzer sehr häufig nicht bemerkt; die erforderliche Meldung an den Betriebs- oder D-Arzt erfolgt nicht. So wurden in einer Studie der Universität Wuppertal HS-Perforationsraten von bis zu 18 % (abhängig von der OP-Art und dem Benutzer) gefunden, wobei in die Untersuchung nur die vom Personal als unbeschädigt (nicht perforiert) eingestuften Handschuhe aufgenommen wurden.


Bild 1: Handschuhprüfstand für Wasserhalteprüfung

Doppelte Handschuhsysteme
Zur Optimierung des technischen Infektionsschutzes ist es bei Operationen sinnvoll, zwei Handschuhe übereinander anzuziehen. Der Nutzen der doppelten Behandschuhung zur Vermeidung von Blutkontakten wurde durch viele Untersuchungen bestätigt.

In zwei US-amerikanischen Studien vom Anfang der 1990er-Jahre wurde durch doppelte Behandschuhung das Blutkontaktrisiko um den Faktor 10 gesenkt. Bei Perforationen des äußeren Handschuhs, die ansonsten zu einem Blutkontakt geführt hätten, blieb der innere Handschuh in bis zu 82 % der Fälle immer noch intakt. Untersuchungen der Universität Wuppertal zu Doppelhandschuhsystemen konnten auch zeigen, dass der Einsatz doppelter Handschuhe das übertragene Blutvolumen bei chirurgischen Eingriffen (nicht jedoch bei Kanülenstichverletzungen) drastisch reduzieren kann. Die Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

Indikator Handschuhe
Eine Optimierung des Infektionsschutzes kann durch die Verwendung doppelter Handschuhe mit Indikatorsystem (z. B. Biogel® IndicatorTM; Bilder 2 und 3) erzielt werden. Dieses Handschuhsystem setzt sich aus einem grünen Unterziehhandschuh und einem neutralfarbenen Außenhandschuh zusammen. Wird der Außenhandschuh bei der Operation perforiert, so sorgt die bei jedem Eingriff vorhandene Flüssigkeit dafür, dass ein gut sichtbarer grüner Fleck entsteht. Bemerkt ein Angehöriger aus dem OP-Team einen solchen Fleck, wird der Außenhandschuh ausgetauscht und so die Gefahr einer Infektionsübertragung beim Fortführen der Operation minimiert.


Bild 2: Doppelte Handschuhe mit Indikatorsystem