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Kleiner Stich mit Folgen

Glossar

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Technischer Infektionsschutz (TIS)
 

Technischer Infektionsschutz (TIS) wird als Gesamtheit aller Maßnahmen, Einrichtungen und Verfahren definiert, die dazu dienen, Übertragung, Haftenbleiben und Eindringen von Mikroorganismen ( Infektionserregern) in den menschlichen Organismus sowie ihre Vermehrung in ihm zu verhindern.

Nach dieser Definition fielen auch immunologische und medikamentöse Maßnahmen darunter, die aber traditionsgemäß gesondert und aus der medizinischen Sicht als wichtiger betrachtet werden. Dabei ist die immense Verbesserung der allgemeinen hygienischen Verhältnisse und des Lebensstandards (einschließlich einer ausgewogenen, ausreichenden Ernährung) die Hauptursache für den Rückgang der Infektionskrankheiten in den Industrieländern während der vergangenen 50 Jahre. Die alarmierenden epidemiologischen Daten von Infektionskrankheiten aus weniger entwickelten Ländern, v. a. Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, liefern den Beweis dafür, dass dieses Problem weltweit weiterhin ungelöst bleibt. Die vielseitigen von der WHO durchgeführten Impf- und Aufklärungskampagnen verzeichnen bislang noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse.

Schutzmaßnahmen
Nach den Prinzipien der Sicherheitstechnik haben die Maßnahmen zur Beseitigung einer Gefahr (hier: Infektionserreger) bei der Unfall-(Infektions-)verhütung absoluten Vorrang.

Bei der Auswahl der zu ergreifenden Schutzmaßnahmen muss die strenge Rangfolge eingehalten werden:

  1. In allererster Linie sind Gefahren an ihrer Quelle zu bekämpfen.
  2. Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen müssen sachgerecht verknüpft und optimiert werden.
  3. Individuelle Schutzmaßnahmen, v. a. Persönliche Schutzausrüstung (PSA), sind nachrangig zu anderen Maßnahmen.

Die Möglichkeit der Anwendung von nicht gefährlichen Arbeitsstoffen (z. B. nicht pathogenen Mikroorganismen) ist im Gesundheitsdienst nur in wenigen Ausnahmefällen (z. B. in mikrobiologischen Laboratorien) gegeben, ansonsten handelt es sich hier in der Regel um nicht genau einschätzbare und nicht definierbare Risiken.

Die Verringerung der Menge von Infektionserregern auf das für Menschen ungefährliche Niveau durch krankenhaushygienische Maßnahmen (Desinfektion, Sterilisation) ist vordergründig beim Patientenschutz wirksam. Infektiöse Patienten stellen trotz strenger Einhaltung hygienischer Regeln weiterhin ein Risiko für die behandelnden Beschäftigten dar.

Durch optimierte Arbeitsplatzbedingungen und arbeitsorganisatorische Verbesserungen, z. B.:

  1. gute Arbeitsplatzbeleuchtung,
  2. exakte Arbeitsanweisungen,
  3. geregelte Arbeitabläufe,
  4. optimiertes Arbeitsklima und Teamarbeit,
  5. Einsatz von OP-Techniken ohne direkten Kontakt und mit geringerer Verletzungsgefahr für Operateur und Assistenzpersonal,
  6. ergonomisch konstruierte OP-Tische,
  7. Sicherheitswerkbänke usw.,

kann die Infektionsgefährdung erfolgreich verringert werden.

Verletzungen mit gebrauchten, scharfen oder spitzen Instrumenten sind die größten Gefahrenquellen bei der Übertragung von Erregern gefährlicher Krankheiten wie z. B. des Hepatitis-B-, des Hepatitis-C- oder des Humanen Immundefizienz-Virus.

Wenn man über die Häufigkeit von Nadelstichverletzungen (NSV) im Gesundheitsdienst spricht, muss man prinzipiell zwei Bereiche unterscheiden:

  1. Zum einen den Bereich der stationären Pflege, wo Verletzungen durch Hohlnadeln im Vordergrund stehen, und
  2. zum anderen den zahnmedizinisch/chirurgisch-invasiven Bereich, wo Verletzungen nicht so häufig mit Hohlnadeln geschehen, dafür aber die Anzahl der durch Gebrauch von spitzen, scharfen und rotierenden Instrumenten entstandenen Verletzungen insgesamt wesentlich höher ist als im Bereich der stationären Pflege.

Nur durch Maßnahmen des technischen Infektionsschutzes z. B.:

  1. Schaffung von Übergabezonen für chirurgische Instrumente im OP-Bereich,
  2. sachgerechte Entsorgung durch durchstichsichere, ergonomisch platzierte Abwurfbehälter,
  3. gute Arbeitsplatzbeleuchtung,
  4. exaktere Arbeitsanweisungen usw.

kann die Zahl der Unfälle mit kontaminierten scharfen oder spitzen Gegenständen um bis zu 70 % gesenkt werden. Im Rahmen einer Interventionsstudie, wo alle in den USA empfohlenen Maßnahmen zur Geltung gekommen waren, konnte die Anzahl von NSV von 15 NSV/100.000 i. v. Eingriffe auf 2/100.000 gesenkt werden.

Den Durchbruch bei der Senkung der Verletzungsrate in dieser Studie stellte jedoch die Einführung Sicherer Instrumente dar: Innerhalb von vier Jahren konnte die Verletzungsrate von 10/100.000 auf 4/100.000 gesenkt werden.