Hepatitis D

Erreger
Hepatitis-D(elta)-Virus (HDV), ein hepatotropes defektes RNA-Virus, ist auf die Helferfunktion des Hepatitis-B-Virus (HBV) angewiesen. HDV ist nur in Gegenwart von HBV (d. h. bei Personen mit HBsAg) infektiös und vermehrungsfähig. Einstufung des HDV erfolgt in Risikogruppe 3 (**) der biologischen Arbeitsstoffe nach BioStoffV (Volltext).

Epidemiologie
Das HDV ist weltweit verbreitet (hohe Prävalenzraten in Südost- und Osteuropa, den Nilländern und dem nördlichen Südamerika v. a. Amazonasgebiet). Ca. 10 Millionen Menschen sind chronisch HBV/HDV infiziert.

Übertragung
Analog HBV wird HDV durch Blut- und Sexualkontakte, unsterile Nadeln bei i. v. Drogenkonsum und Kanülenstichverletzungen beim medizinischen Personal übertragen.

Inkubationszeit und Ansteckungsfähigkeit
Bei der Koinfektion sind zunächst HBs-Antigen und dann nach drei Wochen als Zeichen der simultanen Infektion HD-Antigen (HDAg) nachweisbar. Bei der Superinfektion ist HDAg etwa drei Wochen nach Infektion nachweisbar. Gesamtinkubationszeit beträgt damit bei Koinfektion 12 bis 15 Wochen und bei Superinfektion chronisch an Hepatitis B erkrankter Personen drei Wochen. Ansteckungsfähigkeit besteht bei super- oder koinfizierten HBsAg-positiven Personen.

Labordiagnostik
HD-Ag und anti HDV werden mittels ELISA bestimmt. RNA-Hybridisierung bzw. NAT/PCR dient dem Nachweis des HDV-Genoms.

Therapie
Bei Interferongabe wird die HDV-Antigenämie vermindert und der Verlauf gestaltet sich günstiger.

Prophylaxe
Primär sind berufliche und außerberufliche Kontakten mit Blut und Körperflüssigkeiten zu vermeiden. Anwendung der Hepatitis-B-Schutzimpfung.

Gesetzliche Regelungen
Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sowie direkter und/oder indirekter Virusnachweis in Bezug zu akuter Infektion sind meldepflichtig.

Bedeutung als Berufskrankheit
Es sind vereinzelte Hepatitis-D-Fälle beim medizinischen Personal bekannt geworden. Daher sollten HBs-Ag-Positive in Hochrisikobereichen (z. B. Infektionsstationen) nicht beschäftigt werden.