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Glossar

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Hygienefachkraft
 

Die Hygienefachkraft ist vor allem in Krankenhäusern, aber auch in anderen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens von enormer Bedeutung. Ziel der Hygienefachkraft ist es, die Hygiene und Infektionsprävention durch Maßnahmen der Erkennung, der Verhütung und der Bekämpfung von Infektionen zu verbessern. Die Hygienefachkraft unterstützt damit das Personal aller Abteilungen eines Krankenhauses.

Hygienefachkräfte sind Krankenschwestern oder -pfleger, die nach einer staatlich anerkannten Weiterbildung die Bezeichnung Krankenschwester/-pfleger bzw. Kinderkrankenschwester/-pfleger für die Krankenhaushygiene führen dürfen.

Die Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) fordert für alle Krankenhäuser eine Hygienefachkraft.
Die notwendige Anzahl an Hygienefachkräften richtet sich nach dem Infektionsrisiko, dass aufgrund der Disposition der Patienten und der Art der ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen zu erwarten ist.

Gruppe A (Verhältniszahl 300 Betten/Hygienefachkraft) – höheres Infektionsrisiko

  • Betten für Intensivmedizin, Chirurgie, Neurochirurgie, Urologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neonatalogie, Kinderheilkunde, Orthopädie (operativ), Infektionskrankheiten, Dialyse, innere Medizin (z. B. Onkologie, Chronische Krankheiten)

Gruppe B (Verhältniszahl 600/1) – niedrigeres Infektionsrisiko

  • Innere Medizin (sofern nicht Gruppe A), Orthopädie (konservativ), Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, HNO, Augenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Röntgenmedizin, Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Neurologie (wenn nicht Gruppe A), Akut-Psychiatrie und Geronto-Psychiatrie; außerdem allgemeine Krankenhäuser ohne Fachabteilungen

Gruppe C (Verhältniszahl 100/1) – niedrigeres Infektionsrisiko

  • Betten für Psychiatrie, einschließlich Suchtkrankheiten, Langzeitpsychiatrie, Rheumatologie, Geriatrie und chronische Krankheiten (wenn nicht in Gruppe A), Rehabilitation; außerdem Kurkrankenhäuser und sonstige Fachkrankenhäuser.

Die Hygienefachkraft hat im Einvernehmen mit dem hauptamtlichen Krankenhaushygieniker bzw. dem ärztlichen Leiter bei allen Fragen der Krankenhaushygiene mitzuwirken.
Unter anderem wirkt sie an der Einhaltung der Regeln der Krankhaushygiene und der Erkennung von Krankenhausinfektionen mit, gibt Informationen über Verdachtsfälle weiter, schult das Personal, hält Seminare und Workshops, wählt hygienerelevante Verfahren und Produkte aus, bereitet Sitzungen der Hygienekommission des Krankenhauses vor und arbeitet eng mit den Ausbildungsstätten der Fachberufe im Gesundheitswesen zusammen.

Sie ist eine wichtige Schaltstelle, wenn ein Hygieneproblem akut wird und die Sicherheit der Krankenversorgung nicht mehr mit der Rechtssicherheit gegenüber dem Patienten gewährleistet ist. Die Fachkraft ist in diesem Moment einer der wichtigsten vorbereitenden Entscheidungsträger, die eine Problemlösung erarbeitet und Dialoge zwischen den Fachabteilungen, Verwaltung und übergeordneten Stellen ankurbeln muss.

Die Hygienefachkraft verfügt über ein spezielles Fachwissen im Bereich Krankenhaushygiene. Um als Hygienefachkraft offiziell anerkannt zu werden, muss neben der Ausbildung zur Krankenschwester bzw. Kinderkrankenschwester oder zum Krankenpfleger bzw. Kinderkrankenpfleger eine Zusatzausbildung zur Hygienefachkraft erfolgen. Die Fortbildung vermittelt qualifizierte Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die zu einer Tätigkeit in der Krankenhaushygiene qualifizieren.
Die Hygienefachkraft nimmt im Einvernehmen mit der/dem Hygieniker/Hygienikerin folgende Aufgaben wahr:

  • Ansprechpartner für das Pflegepersonal in allen Fragen der Krankenhaushygiene
  • Mithilfe bei der Erarbeitung von Hygieneplänen gemeinsam mit dem Stationspersonal
  • Mitwirkung bei der Früherkennung von Krankenhausinfektionen durch direkte Surveillance-Tätigkeit auf den betroffenen Stationen
  • Mitarbeit bei klinisch-hygienischen Visiten, Beratungen und epidemiologischen Untersuchungen
  • Schulung und praktische Anleitung des Personals
  • Anleitung von in der Weiterbildung befindlichen Hygienefachkräften
  • Mitwirkung bei Planungsgesprächen zur Planung und Durchführung von Bauvorhaben
  • Zusammenarbeit mit den Ausbildungsstätten der Medizinalfachberufe

Die Gesundheitsbehörden nutzen die Hygienefachkraft als Hauptansprechpartner für Hygienefragen. Bei Begehungen oder Kontrollen muss die Hygienefachkraft Auskunft über die hygienischen Situationen im Haus geben.

Bei Anfragen der Krankenkassen (im Patientenauftrag) bei angeblichen Hygienemängeln ist die Hygienefachkraft oft die erste Anlaufstelle. Sie soll Stellung zu den Vorwürfen beziehen und den Arbeitgeber rechtssicher vertreten. In diesen Situationen darf die Hygienefachkraft nicht ohne Fachberaterunterstützung tätig werden, da sonst erhebliche Gefahren auf sie lauern. Es empfiehlt sich, eine Rechtsberatung über den Arbeitgeber aufzusuchen und danach erst zu handeln.

(Nach: Anlage zu Ziffer 5.3.7 der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, Bundesgesundheitsblatt 8/1991)