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Kleiner Stich mit Folgen

Glossar

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Hepatitis B
 

Erreger
Erreger der Hepatitis B ist das Hepatitis-B-Virus (HBV), ein DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviren, das in Risikogruppe 3 der biologischen Arbeitsstoffe nach BioStoffV (Volltext) eingestuft wird.

Epidemiologie
Weltweit sind ca. 350 Millionen Menschen chronisch infiziert (und damit potenziell infektiös, Marker: HBs-Antigen positiv = HBsAg+).
Die Durchseuchung mit Antikörpern (anti-HBs/anti-HBc positiv als Zeichen einer abgelaufenen Infektion) ist in fast allen Entwicklungsländern 50 % je nach Altersgruppe, am höchsten in West- und Zentralafrika, in Südostasien und im Westpazifik (hier bis zu 25 % chronisch HBV-Infizierte). In Deutschland beträgt die Durchseuchung in der Allgemeinbevölkerung ca. 5 bis 10 % (Antikörper) und ca. 1 % (HBsAg positiv). Beim medizinischen Personal betrug die Durchseuchung mit Antikörpern bis Mitte der 80er-Jahre je nach Altersgruppe bis 50 %, die Zahl der HBsAg-Positiven bis 3 %.
In Deutschland ereignen sich mehrere 10.000 Neuinfektionen pro Jahr. Diese bedingen mehr als 1.000 Todesfälle bei akutem oder chronischem Verlauf.

Übertragung
HBV wird durch Blut- und Sexualkontakte, i. v. Drogenkonsum (unsterile Nadeln), vertikale Infektion von Säuglingen unter der Geburt (bis 90 % bei HBsAg-positiver Mutter) übertragen. Bislang wurden mehr als 700 nosokomiale Übertragungsfälle auf Patienten bekannt, v. a. durch infektiöse (Thorax-)Chirurgen und Zahnärzte, aber auch bei Eingriffen, bei denen Kontaktmöglichkeit zwischen Chirurgenhänden und spitzen/scharfen Gegenständen bei Operationen unter schlechten Sichtbedingungen gegeben ist.

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 6 Monate. Die Ansteckungsfähigkeit korreliert mit dem HBsAg-Nachweis. Bei zusätzlichem Nachweis von HBeAg sehr hohe Ansteckungsfähigkeit (Cave: Precore-Mutanten-Infektion bisweilen sehr hohe Infektiosität – in diesem Fall HBeAg negativ).

Krankheitsbilder
Bei Säuglingen/Kleinkindern verläuft die Hepatitis B in vielen Fällen symptomarm/symptomlos, bei Erwachsenen ist die Manifestationsrate der Infektion bei ca. 50 %, als akute bis fulminante Hepatitis auch mit Leberversagen (Letalität 1 - 2 % akut, bis 10 % auch bei klinisch unauffälligem Verlauf!). Übergang in chronischen Verlauf (HBsAg positiv) mit Leberzirrhose und/oder hepatozellulärem Karzinom. Die HBV-Eliminierung bei HBsAg-Trägern wird jährlich bei ca. 3 % der Infizierten beobachtet. HBsAg-Träger sind zusätzlich durch Hepatitis-D-Virus-Infektionsmöglichkeit gefährdet. Weiterhin Arthritiden als Komplikation bekannt.

Labordiagnostik
Sie erfolgt durch Bestimmung von HBV-Markern: zunächst Anti-HBc, wenn negativ, dann keine weitere Suche und ggf. Impfung; wenn positiv, dann Suche nach anti-HBs und HBs-Antigen: Bei anti-HBs Positiven besteht Immunität, HBsAg-Positive sind infektiös (dann Bestimmung von HBe-Antigen und anti-HBe). Bei Geimpften in Risikobereichen (z. B. Gesundheitsdienst) wird eine anti-HBsAg-Kontrolle durchgeführt. (Impfschutz für 10 Jahre, wenn IU/l).

Therapie
Sie erfolgt symptomatisch, bei chronischer Infektion mit erhöhten Transaminasen ist die Interferontherapie in Kombination mit Lamivudin (Cave-Auftreten resistenter Varianten) möglich. Ultima Ratio bei fulminantem Verlauf ist die Lebertransplantation.

Prophylaxe
Primär sollte der berufliche und außerberufliche Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten gemieden werden. Postexpositionell wird die passive Immunisierung mit Schutzimpfung simultan durchgeführt. Bei Gefährdung sollte entsprechend den STIKO-Empfehlungen die Schutzimpfung durchgeführt werden.

Gesetzliche Regelungen
Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sowie direkter und/oder indirekter Virusnachweis in Bezug zu akuter Infektion sind meldepflichtig.

Bedeutung als Berufskrankheit
Das relative Risiko im Gesundheitsdienst ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 2,5-fach, in einigen Bereichen (z. B. Entsorgung) wesentlich höher. Die Hepatitis B ist die wichtigste berufsbedingte Infektionskrankheit im Gesundheitsdienst (Kanülenstichverletzungen!).