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Kleiner Stich mit Folgen

Gefahr

Welche Erreger können übertragen werden?
Häufigkeit der HBV, HBC und HIV in der Bevölkerung
 

Die Beurteilung der Gefährdung von Angehörigen der Gesundheitsberufe durch die blutübertragenen Infektionserreger HBV und HCV kann weniger anhand der offiziellen Meldedaten, sondern sehr viel besser vor dem Hintergrund der Seroprävalenz in der Allgemeinbevölkerung - und am besten auf der Basis der Seroprävalenz - bei denjenigen Patienten beurteilt werden, an denen (blutige) Verletzungen erworben wurden.

Offizielle Meldedaten
Bei der Hepatitis B und der Hepatitis C handelt es sich um meldepflichtige Infektionserkrankungen. Infektionen mit HIV werden nicht namentlich (meistens seitens der Laboratorien) gemeldet.

Dem Robert Koch-Institut wurden im Jahre 2007

  • 1008 Hepatitis-B(HB)-Fälle und
  • 8859 Hepatitis-C(HC)-Fälle und
  • 2752 HIV-Infektionen

gemeldet [1].


Diagramm 1: Jährlich gemeldete Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und HIV-Fälle in Deutschland

Diese – insbesondere bei der Hepatitis B – auf den ersten Blick marginal erscheinenden Zahlen spiegeln aber mit Sicherheit nicht das ganze Ausmaß des Problems wider, denn mit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes wurde die Meldepflicht für alle nicht akuten Fälle der beiden Erkrankungen außer Kraft gesetzt, sodass neu entdeckte, bereits chronisch gewordene Infektionen nicht in die Statistik eingehen.

Da die meisten Infektionen/Erkrankungen aber klinisch ohne weitere Auffälligkeiten verlaufen, können Inzidenzdaten wie die genannten bei der Beurteilung der Gefährdung von Angehörigen des Gesundheitsdienstes (die sich an Personen aus der Allgemeinbevölkerung verletzen und damit infiziert werden können) nur in sehr eingeschränktem Maße herangezogen werden.

Seroprävalenzdaten
Viel aussagekräftiger erscheinen deshalb Seroprävalenzdaten, d. h. Daten zur Verteilung von Antikörpern gegen die Viren in der Allgemeinbevölkerung. Die spezielle Gefährdung für Beschäftigte im Gesundheitsdienst kann im Einzelfall dann am besten beurteilt werden, wenn man den Infektionsstatus von Patienten kennt, an denen Verletzungen erworben wurden.

Die Seroprävalenz beschreibt das Vorkommen von Infektionsmarkern, wobei

  • das Vorhandensein von Anti-HBs und Anti-HBc in der Regel
    Merkmale einer ausgeheilten Infektion sind und
  • der Nachweis des HBs-Antigens (HBsAg) mit dem Vorliegen einer frischen oder chronischen Infektion assoziiert ist,

wobei von potenzieller Infektiosität auszugehen ist. Die deutschen Daten für HBV-Infektiosität in der Tabelle 1 zeigen jedoch eine Schwankungsbreite von 0,4 bis 1,2% [2].

 

Literatur

[1] N.N.: Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten, Statista.org 2008

[2] KRALJ, N., HOFMANN, F., MICHAELIS, M. , BERTHOLD, H.: Zur gegenwärtigen Hepatitis-B-Epidemiologie in Deutschland, Gesundheitswesen 60, 450 - 455 (1998)

[3] HOFMANN, F., KLEIMEIER, B., WANNER, C., BERTHOLD, H.: Zur Hepatitis-Gefährdung der Beschäftigten im Gesundheitswesen Arbeitsmed.Sozialmed.Präventivmed. 22, 49 - 52 (1988)

[4] CHRISKE, H.W., ROSSA, A.: Hepatitis-C-Infektionsgefährdung des medizinischen Personals, in: Hofmann, F., Stößel, U. (Hrsg.) Arbeitsmedizin im Gesundheitsdienst, Band 5, Gentner, Stuttgart, 121-125 (1991)

[5] THIERFELDER, W., MEISEL, H., SCHREIER, E., DORTSCHY, R.: Die Prävalenz von Antikörpern gegen Hepatitis-A-, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren in der deutschen Bevölkerung, Gesundheitswesen 61,l Sonderheft 2 S 110 - 114 (1999)

[6] POLYWKA, S., LAUFS, R.: Hepatitis C virus antibodies among different groups at risk and patients with suspected non-A, non-B hepatitis, Infection, 81-84 (1991)

[7] JOCHEN, A.B.: Occupationally acquired hepatitis C virus infection, Lancet, 339, 304 (1992)