or

Kleiner Stich mit Folgen

Gefahr

Warum sind Nadelstichverletzungen gefährlich?
Nadelstichverletzungen mit Hohlnadeln
 

Das bei Nadelstichverletzungen an blutgefüllten Hohlnadeln übertragene Volumen liegt durchschnittlich im Bereich von ungefähr einem Mikroliter. Die Blutmenge, die nach einer typischen Venenpunktion in einer Hohlnadel (Bild 1) haften bleibt, reicht daher in den meisten Fällen aus, um eine genügend große Anzahl an Infektionserregern für eine Infektion zu übertragen. Dies bestätigten Messungen der Universität Wuppertal.

Bild 1: REM-Bild einer Hohlnadel

Für diese Messungen wurde zunächst Blut zur Messung radioaktiv markiert. Mittels eines elektrisch betriebenen Stichapparates (Bild 2) wurde in Schweineschwarten gestochen, wobei als Parameter die Kanülengröße (in Gauge), die Stichtiefe (in mm) und die Stichgeschwindigkeit (als Funktion der am Stichapparat angelegten Spannung) verändert werden konnte. Die Messung der übertragenen Blutmenge erfolgte durch das Ausmessen der bei den Stichen ins Gewebe übertragenen Strahlendosis.

Bild 2: Stichapparat für die Messungen der Universität Wuppertal

Die Messungen ergaben, dass die übertragenen Volumina auch innerhalb einzelner Versuchsreihen mit konstanten Parametern sehr stark streuen. Offensichtlich ist das übertragene Blutvolumen bei Nadelstichverletzungen zwar normalverteilt, allerdings mit sehr großen Standardabweichungen. Unter anderem wegen der großen Streuung ist von einer Bagatellisierung auch kleinster Nadelstichverletzungen abzuraten, da auch kleine Kanülen bei kleinsten Stichen relativ große Blutvolumina übertragen können.

Literatur

WITTMANN, A., KRALJ, N., HOFMANN, F.: Übertragene Blutvolumina nach Kanülenstichverletzungen – Ein Beitrag zur Risikoabschätzung nach Kanülenstichverletzungen. In: Hofmann F, Reschauer G, Stößel U, Hrsg. Arbeitsmedizin im Gesundheitsdienst XVII. Freiburg im Breisgau: edition FFAS; 2004: 185-188

HOFMANN, F., WITTMANN, A., KRALJ, N.: Risikoabschätzung nach arbeitsmedizinisch relevanten Kanülenstichverletzungen durch Messen des übertragenen Blutvolumens. Dokumentationsband über 44. Jahrestagung der DGAUM. Fulda. Rindt-Druck; 2004; 386-7