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Kleiner Stich mit Folgen

Gefahr

Was sind Nadelstichverletzungen?
Konservativ-medizinischer Bereich
 

Aktuellen Studien zufolge verletzen sich Beschäftigte im konservativ-medizinischen Bereich durchschnittlich einmal jährlich an einem gebrauchten spitzen oder scharfen Instrument!

Weltweit sind in den letzten Jahren zahlreiche Untersuchungen zur NSV-Häufigkeit durchgeführt worden [1-12], die jedoch lediglich auf der Zahl der gemeldeten Nadelstichverletzungen basieren.

In einer in Deutschland durchgeführten Studie wurden bei über 600 Mitarbeitern eines Universitäts- klinikums und eines konfessionellen Akutkrankenhauses Befragungen durchgeführt, in denen die Zahl der tatsächlich stattgefundenen NSV ermittelt werden sollte. Diese Studie ergab, dass sich die Befragten an eine NSV jährlich erinnern konnten [13].

Die Häufigkeit von NSV im Bereich der stationären Pflege wurde im Rahmen einer weiteren deutschlandweiten Untersuchung [14] mithilfe eines Fragebogens ermittelt. Insgesamt wurden n = 692 Personen befragt, die im Gesundheitsdienst tätig waren. Auch hier konnte eine NSV jährlich pro Mitarbeiter festgestellt werden.

Im Rahmen zweier aktueller Studien zur Häufigkeit der Nadelstichverletzungen wurden die Daten mittels standardisierter Fragebögen bei den Beschäftigten im stationären Bereich eines Universitätsklinikums und bei den Mitarbeitern unterschiedlicher Rettungsdienste erhoben. Wie erwartet, konnten tätigkeitsbezogene Unterschiede beim Vorkommen von NSV in den beiden Bereichen festgestellt werden. 16 % der Beschäftigten im Stationärbereich und 13 % der Mitarbeiter im Rettungsdienst erlitten in den letzten 12 Monaten eine NSV. Jeweils ein Drittel der Verletzten hatte sich in diesem Zeitraum öfter als zweimal verletzt.

Am häufigsten geschahen die Verletzungen bei der Entsorgung von Instrumenten, insbesondere nach verschiedenen Venenpunktionen. Dementsprechend haben Venenverweilkanülen, i. v. Kanülen und Blutentnahmekanülen als scharfe Instrumente am häufigsten eine NSV verursacht (Diagramme 1 und 2).

Die NSV wurden in 66 % (Uniklinik) bzw. 35 % (RD) der Fälle gemeldet. Andere Autoren konnten noch wesentlich höhere Nichtmelderaten (bis zu 90 %) ermitteln.

Der häufigste Grund für Nichtmeldung war die Annahme der Betroffenen, dass es sich bei Nadelstichverletzungen um eine Bagatellverletzung handele.


Diagramm 1: Tätigkeiten, bei denen sich NSV ereigneten


Diagramm 2: Spitze und scharfe Instrumente, die zu NSV geführt haben

 

Literatur

[1] GERSHON, R., PEARSE, L., GRIMES, M., FLANAGAN, P., VLAHOV, D.: The impact of multifocused interventions on sharps injury rates at an acute-care hospital. Infect Control Hosp Epidemiol 1999; 20: 806–811

[2] SISTROM, M., COYNER, B., GWALTNEY, J., FARR, B.: Frequency of percutaneous injuries requiring postexposure prophylaxis for occupational exposure to human immunodeficiency virus. Infect Control Hosp Epidemiol 1998; 19: 504–506

[3] GUIMET, M., MENDICINO, S., ROCKETT, M.: Percutaneous injuries in a high-volume podiatric surgical residency program. J Foot Ankle Surg 2001; 40: 15–20

[4] HANSEN, ME., Miller, GL. 3rd., REDMAN, HC., MC INTIRE, DD.: Needle-stick injuries and blood contacts during invasive radiologic procedures: frequency and risk factors. Am J Roentgenol 1993; 160: 1119–1122

[5] PAUL, T.: Self-reported needlestick injuries in dental health care workers at Armed Forces Hospital Riyadh, Saudi Arabia. Mil Med 2000; 165: 208–210

[6] KHURI-BULOS, NA., TOUKAN, A., MAHAFZAH, A. et al.: Epidemiology of needlestick and sharp injuries at a university hospital in a developing country: a 3-year prospective study at the Jordan University Hospital, 1993 through 1995. Am J Infect Control 1997; 25: 322–329

[7] GUO, YL., SHIAO, J., CHUANG, YC., HUANG, KY.: Needlestick and sharps injuries among health-care workers in Taiwan. Epidemiol Infect 1999; 122: 259–265

[8] VARMA, M., MEHTA, G.: Needle stick injuries among medical students. J Indian Med Assoc 2000; 98: 436–438

[9] DALE, JC., PRUETT, SK., MAKER, MD.: Accidental needlesticks in the phlebotomy service of the Department of Laboratory Medicine and Pathology at Mayo Clinic Rochester [see comments]. Mayo Clinic Proceedings 1998; 73: 611–615

[10] HETTIARATCHY, S., HASSALL, O., WATSON, C., WALLIS, D., WILLIAMS, D.: Glove usage and reporting of needlestick injuries by junior hospital medical staff. Ann R Coll Surg Engl 1998; 80: 439–441

[11] WANG, F., CHEN, Y., LIU, C.: Analysis of sharp-edged medical-object injuries at a medical center in Taiwan. Infect Control Hosp Epidemiol 2000; 21: 656–658

[12] POURNARAS, S., TSAKRIS, A., MANDRAVELI, K., FAITATZIDOU, A., DOUBOYAS, J., TOURKANTONIS, A.: Reported needlestick and sharp injuries among health care workers in a Greek general hospital. Occup Med (Lond) 1999; 49: 423–426

[13] KRALJ, N., HASSELHORN, HM., BEIE, M., HOFMANN, F.: Biologische Gefährdung an Arbeitsplätzen im Gesundheitsdienst – Zum Stellenwert der Kanülenstichverletzungen. In: Hallier E, Bünger J, Hrsg. Gesundheitsgefahren und biologische Arbeitsstoffe, Neuro-, Psycho- und Verhaltenstoxizität. Dokumentationsband über die 38. Jahrestagung der DGAUM Wiesbaden 1998:733-735

[14] BEIE, M.: Technischer Infektionsschutz. Freiburg im Breisgau: edition FFAS 2001:48-57